Tradition Burbach

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Das Dorf Burbach



Erste urkundliche Erwähnung findet das Dorf Burbach im Jahr 1241. Guderadis, Witwe des Ritters Hartmann von Geyr, die Stifterin des Klosters Marienbrunn zu Burbach, läßt niederschreiben, welche Güter sie zum Andenken an ihren Mann und ihre Familie dem Kloster geschenkt habe. In der Aufzählung der geschenkten Güter und Ländereien finden wir u.a. 4 Hufen in Burbach. Aus dem Umstand, dass in dem Schenkungsakt auch Wald und Wiesen aufgeführt sind, läßt sich schließen, daß es sich bei den geschenkten 4 Hufen um bereits urbares Ackerland handelte. Anzunehmen, dass das Jahr 1241 die Geburtsstunde des Dorfes Burbach ist, ist daher abwegig. Wo im 13. Jahrhundert schon urbares Land in einer solch großen Menge vorhanden war, ist die Annahme berechtigt, dass schon mehrere Jahrhunderte diese Flur bebaut und bewohnt war.


Seinen Namen hat Burbach nach der landläufigen Ansicht genau wie das Kloster Burbach von dem in der Nähe entspringenden Quellbache, der ursprünglich Bornbach geheißen wird. In Burbach selbst wird dem Ursprung des Namens eine andere Deutung gegeben. Die ländlichen Siedlungsstätten der früheren Zeit erhielten meist ihren Namen nach der Örtlichkeit, wo sie errichtet wurden. Eine solche Siedlungsgemeinschaft nannte sich Burschaft oder Bauernschaft. Da nun die Siedlungsstätte unserer Vorfahren an einem Bach lag, entstand dafür der Name aus der Zusammenfassung der Wörter Burgschaft und Bach = Buren am Bach = Burbach. Diese Erklärung des Namens Burbach ist um so mehr einleuchtend, als der Bach selbst mehrfach im Lauf der Jahrhunderte seinen Namen geändert hat, der des Dorfes aber blieb. So finden wir, dass der Bach im Jahre 1567 bei der Beschreibung der Grenzen der freien Herrlichkeit Gleuel Schafbach genannt wird, das Dorf aber um einiges später in einem Verzeichnis bei der Pfarrkirche in Gleuel „Baurbach“ genannt wird.


Der Verlauf des Baches, der also zum Teil unserem Dorf den Namen gab, hat für Burbach in den früheren Jahrhunderten große Bedeutung gehabt. Seine Wässer versorgten nicht nur Mensch und Vieh, gab nicht nur die Kraft für eine Mahlmühle, sondern er war bis in die französische Zeit hinein auch territoriale Grenze. Durch ihn wurde die Herrlichkeit Gleuel gegen das Kurkölnische Amt Lechenich abgegrenzt. Der Teil des Dorfes, der nördlich des Bachlaufes lag, gehörte politisch und verwaltungsmäßig  zur freien Herrlichkeit Gleuel, während der südlich des Baches gelegene Teil mit dem Kloster zum Kurkölnischen Amt Lechenich gehörte. Erst in der preußischen Zeit, 1815 , kamen beide Teile des Dorfes verwaltungsmäßig zu der Spezialgemeinde Gleuel.


Aus dieser Zugehörigkeit zu zwei verschiedenen Territorien werden sich wohl eine Menge unangenehmer Dinge für die Bewohner des Dorfes ergeben haben. Vor allem schon deshalb, weil sie zwei verschiedenen Gerichtsbarkeiten unterstanden. Die Bewohner südlich des Baches unterstanden der Gerichtsbarkeit des Klosters, bzw. des Amtes Lechenich, die des nördlichen Teiles dagegen derjenigen der  Herrlichkeit Gleuel. Zum Schöffengericht der letzteren stellten die Mannlehen in Burbach seit uralter Zeit Beisitzer. Nach einer Urkunde aus dem Jahre 1567 hatten an das Gericht in Gleuel folgende in Burbach gelegene Güter je einen Schöffen zu stellen:


der Klosterhof in Burbach

das Marsdorfer Gut in Burbach und das

Gut Lupenau in Burbach


Von diesen Gütern ist bis zu unserer Zeit leider keine weitere Kunde und Nachricht über Lage und  Größe derselben gedrungen. Nach dem Weistum der Kirche in Gleuel aus dem Jahr 1650 hatte Burbach auch einen der vier Kirchschöffen an der Kirche dortselbst zu stellen. Es heißt in dieser Urkunde wörtlich:


    „Item sollten auch sein vier Synscheffen nämtlich zu Gleuell der Nachbar Thum

    Item einer von Seißdorf (Sielsdorf),

    Item der dritte von Burbach und der vierte von Berrenrath“


Im 13. Jahrhundert berichtet der Chronist von einem Rittergeschlecht, das sich nach unserem Orte benannte. Das Geschlecht derer von Burbach muss recht streitbare Herren in seinen Reihen gehabt haben. So gibt eine Urkunde aus dem Jahre 1285 Kunde davon, dass der Ritter Werner von Burbach der Stadt Köln Urfehde geschworen hat. Die Streitigkeiten zwischen dem Rittergeschlecht von Burbach und der Stadt haben sich wohl über eine längere Zeit erstreckt. Am 3. November 1294 noch mussten Winrich von Fischenich und sieben Genossen der Stadt Köln gegenüber für Tillmann von Burbach verbürgen. Burbach blieb in den Kriegen des 18. Jahrhunderts (Reichskrieg und siebenjähriger Krieg) von dessen Last nicht ganz verschont. Im Jahre 1738, so finden wir es in dem schon genannten Weistumsbuch der Kirche in Gleuel aufgeführt, war dreimal ein Commando Churfürstlich „Voiß–Soldaten“ in der Herrlichkeit Gleuel einquartiert. Einige dieser Voiß-Soldaten hatten Quartiere in Burbach u.a. bei Peter Klein, „auf der Hüllen“, und Evert Füngeling.


Der Bornbach, später Burbach und Schafbach geheißen, entsprang in den Wäldern um das spätere Kloster Burbach. Sein Quellgebiet scheint schon zur Römerzeit bekannt und seine Wasser geschätzt gewesen zu sein. Im Heimatbuch der Stadt Hürth wird dargelegt, dass die Wasser dieser Quellen von den Römern gefasst und in östlicher Richtung auf die Burg Hermülheim zu abgeleitet worden sind. Dort befand sich ein größeres Sammel- und Klärbecken, in dem die Wasser der sogenannten Stotzheimer Leitung, aus den Gleueler Quellen, die des Quellgebietes des Duffesbaches und die des Burbacher Baches zusammenflossen. Der Verlauf der Burbacher Leitung liegt ziemlich fest. In Alstädten an der Theresienstraße und im Garten der Pescher-Höfe wurden Teile der Leitung erkannt. Der etwas eigenartige Verlauf der Burbacher Leitung braucht nicht zu verwundern, da die Römer Meister in der Anlage von Wasserleitungen waren, wie der später gebaute große Eifelwasserkanal beweist.


Unter der Herrschaft des Klosters wurden später andere Ableitungsmöglichkeiten erwogen und  der Verlauf des Baches neu festgelegt. Bei den sehr oft sich überschneidenden territorialen  Zuständigkeiten keine leichte Aufgabe. Dass die Aufgabe aber gelöst wurde, beweist die im Jahr 1236 von Graf Wilhelm von Jülich dem Konvent von Marienbrunn gegebene Erlaubnis, das bei dem Kloster fließende Wasser durch sein Gebiet zu führen, wohin der Konvent es für gut befinde. Anscheinend ist damals der jetzige Lauf des Baches festgelegt worden. Er floss wie heute durch die Orte Burbach, Stotzheim und Efferen. Hinter Efferen mündet er in den Duffesbach. Dieser Bach scheint manchmal Anlass zu Streitigkeiten gegeben zu haben. So berichtet Rosellen in seinem Buch „die Geschichte der Pfarreien des Dekanates Brühl“, dass im Jahre 1785 wegen des Wasserrechtes  dieses Baches zwischen der Stadt Köln, welches bis zur französischen Herrschaft die Grund- und Lehnsherrschaft in Stotzheim besaß, Verhandlungen stattfanden. Diesem Bericht zu Folge verlangte der Magistrat von Köln damals auf Beschwerde der Kölner Malzmüller hin, dass die Stotzheimer das Bachwasser nur in der Zeit von Samstag 12.00 Uhr bis Sonntags 12.00 Uhr ableiten sollten. Friedlich scheinen die Verhandlungen nicht gerade verlaufen zu sein. Die Stotzheimer und ihre Grundherrschaft wurden ziemlich unter Druck gesetzt. Die Kölner Malzmüller und die Inhaber der oberhalb Stotzheims gelegenen Mühlen, die Klostermühle und die Mühle in Burbach, waren sich darüber einig, wenn die Stotzheimer dem Verlangen der Malzmüller nicht entsprachen, das Wasser des Baches über Sonntags zu stauen und damit den Stotzheimern für diese Zeit gänzlich zu entziehen.  Anscheinend ist es jedoch bei der Drohung geblieben, da das Capitel des Klosters dem Wunsche des Magistrats unter gewissen Bedingungen, die den Stotzheimern auch fürderhin ihr Recht an dem Wasser sicherten, nachgegeben hat.


Seit Bestehen des Klosters und der Schenkung der Matrone Guderadis ist das Kloster in der Flur Burbach stark begütert. Sein bedeutenster Besitz, der Stumbshof, mit 245 Morgen, 2 Viertel, 128 ½  Ruthe Acker, lagen zum größten Teil im Burbacher Feld. Außer diesen Ländereien schenkte im Jahre 1251 ein gewisser Arnoldus seine in Burbach gelegene väterliche Erbschaft dem Kloster. So ist es nicht verwunderlich, dass im Jahre 1669 an großen Gütern in Burbach außer dem Stumbshof nur noch der adelige Hof von Jabach mit 182 Morgen Ackerland und eine Mühle mit 10 Morgen Land aufgeführt werden.


Diese Beurkundung lässt  ziemlich sichere Rückschlüsse auf die damaligen Besitzverhältnisse in Burbach zu. Zu dieser Zeit bestand der Ort Burbach nur aus wenigen Bauernhäusern. Der Eigenbesitz der Bauern an Grund und Boden muss, da der größte Teil von Feld, Wald und Wiesen im Besitze des Klosters Marienbrunn und des Adels war, sehr gering gewesen sein. Die Mehrzahl der Bauern wird wohl außer einem Obst- und Gemüsegarten, der sich meist beim Haus befand und selten über einen Morgen groß war, nur einige wenige Morgen Ackerland besessen haben. Der Besitz war gerade groß genug, um die Besitzer und ihre Familie am Leben zu erhalten. Zur Vergrößerung ihres Betriebes hatten die Bauern in vielen Fällen aus dem Klosterbesitz Land gepachtet. Als Pacht wurde nur selten Geld gezahlt. Meist bestand die Pacht in der Abgabe von Frucht oder auch von Tieren. Eine Änderung dieser Besitzverhältnisse erfolgte im 19. Jahrhundert nach der Aufhebung des Kloster- und Kirchenbesitzes durch Napoleon. Seit diesem Zeitpunkt entwickelte sich Burbach zu dem, was es noch bis vor einigen Jahrzehnten war, ein typisches Kleinbauerndorf. Die Erschließung des Braunkohlenbergbaues und die Entwicklung des Industriezentrums Knapsack hat vielfach aus den Kleinbauern abhängige Industriearbeiter gemacht. Der fortschreitende Abbau der Kohlenflöze brachte es mit sich, dass sich heute nur noch wenige bäuerliche Betriebe in Burbach befinden.